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Sieben Erkenntnisse eines gehörlosen Unternehmers über mehr Inklusion in der Geschäftswelt

Inklusion zu leben ist nicht nur eine moralische Pflicht – es ist eine strategische Notwendigkeit.

Weltweit leben laut Schätzungen rund 1,5 Milliarden Menschen mit Hörverlust – sie stellen nicht nur eine bedeutende Konsumentengruppe dar, sondern auch ein enormes ungenutztes Potenzial für die Wirtschaft.
Durch das Erkennen und Überwinden von Barrieren können Unternehmen die Gehörlosengemeinschaft als Kund:innen und als wertvolle Akteur:innen im Business-Ökosystem gewinnen.

Als Mitgründer des AMSAAN-Projekts, entwickelt von Gulf People of Determination Information Technologies, teile ich hier meine Perspektive, wie Unternehmen echte Inklusion fördern können:


1. Inklusion als Wettbewerbsvorteil begreifen

Noch vor zehn Jahren wurde Barrierefreiheit oft übersehen – heute ist sie ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Laut einem Bericht von Accenture erzielen Unternehmen, die die Inklusion von Menschen mit Behinderungen aktiv verbessern, viermal höhere Renditen für ihre Aktionäre.
Produkte und Dienstleistungen, die auf die Bedürfnisse gehörloser Menschen eingehen, differenzieren Unternehmen positiv im Markt.


2. Mitarbeitende schulen – für respektvolle Kundenbetreuung

In einer vernetzten Welt verbreiten sich negative Erfahrungen rasch.
Laut einer Deloitte-Studie sind 57 % der Konsument:innen markentreuer, wenn Unternehmen Fairness zeigen.
Unternehmen sollten daher in Schulungen zu Gehörlosenkultur, Gebärdensprache und inklusiver Kommunikation investieren – idealerweise geleitet von gehörlosen Expert:innen.


3. Selbstbestimmung durch technologische Lösungen ermöglichen

Ein Beispiel: Eine gehörlose Kundin mit Nussallergie im Restaurant kann mit der AMSAAN-App per QR-Code einen Gebärdensprachdolmetscher live zuschalten – statt umständlicher Notizen.
Solche Lösungen fördern würdevolle Kommunikation und stärken das Vertrauen.


4. Digitale Inklusion als Standard setzen

Webseiten und Online-Inhalte sollten Gebärdensprachvideos, Untertitel und barrierefreie Navigation bieten.
Laut WHO haben über 460 Millionen Menschen keinen Zugang zu digitalen Inhalten, wenn diese nicht barrierefrei gestaltet sind.
Assistive Apps können helfen, Inhalte zu verstehen und mit Unternehmen in Kontakt zu treten.


5. Zusammenarbeit mit Gehörlosenorganisationen suchen

Partnerschaften mit Gehörlosenverbänden fördern:

  • Marktzugang

  • Kulturelles Verständnis

  • Verbesserung des ESG-Rankings (Environment, Social, Governance)

Ein Beispiel: Die Weltkonferenz der Gehörlosen 2027 in Abu Dhabi ist eine große Chance für inklusive Marken.


6. Nutzerfeedback einholen – von gehörlosen Menschen selbst

Laut „Return on Disability“ berichten 75–80 % der Menschen mit Behinderungen von schlechten Kundenerlebnissen.
User-Testing mit gehörlosen Personen bringt wertvolle Einblicke in Barrieren und Verbesserungspotenziale – und schafft Vertrauen.


7. Inklusive Einstellungspraktiken fördern

Nur 43 % der Gehörlosen weltweit sind berufstätig (im Vergleich zu 72 % der Hörenden, laut National Deaf Center).
Die Einstellung gehörloser Mitarbeitender verbessert:

  • Kundenzufriedenheit

  • Kommunikation mit gehörlosen Kund:innen

  • Unternehmensimage

Ein diverses Team erhöht Innovationskraft, Entscheidungsqualität und soziale Verantwortung.


Fazit: Inklusion ist Innovation

Inklusion bringt nicht nur sozialen Fortschritt, sondern ist auch strategisch sinnvoll.
Technologische Hilfsmittel – von Banken über Hotels bis hin zu Touristenattraktionen – können Barrierefreiheit standardisieren.
Unternehmen, die auf Inklusion setzen, schaffen nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern tragen aktiv zu einer gerechteren und vielfältigeren Welt bei.

31.07.2023 • Nachricht Amsaan